27.12.2009 – Phoenix

Wenn man unsere Tour auf der Karte verfolgt, erkennt man vielleicht den kleinen Umweg, den wir die letzten Tage gefahren sind. Denn die Route Las Vegas – San Diego – Phoenix – Los Angeles ähnelt eher dem Haus vom Nikolaus, als das sie logisch ist. Aber der Spielplan will es nun einmal so.

Also zur Abwechslung mal nicht der von 1860, wegen dem schon Taufen verlegt worden sein sollen, sondern die Termine der NFL, der National Football League. Für heute war die Partie der Arizona Cardinals gegen die St. Louis Rams auf 14.05 Uhr (22.05 Uhr MEZ) angesetzt und so hieß es für uns erneut früh aufstehen. Um 4 Uhr klingelte der Wecker und Rainer holte den Wagen aus dem Parkhaus in der Nachbarstraße. Bianca durfte nochmal mit dem Aufzug ins Zimmer fahren, da sie ihre Jacke im Schrank hängen gelassen hatte. Das ist zwar typisch aber so früh auch nicht wirklich verwunderlich aber wenigstens hatte Rainer mitgedacht.

Auf der Strecke nach Arizona fährt man ein längeres Stück an der mexikanischen Grenzlinie entlang und passiert mehrere Kontrollstationen. Bei der letzten, die bereits in Arizona lag, fand dann sogar eine Passkontrolle statt und ein Spürhund wurde am Auto entlang geführt. Nach einem kurzen Plausch mit dem Grenzbeamten durften wir ohne Probleme passieren und unseren Weg Richtung Sonnenaufgang fortsetzen.

Je heller es wurde umso mehr veränderte sich auch die Landschaft zu dem Bild, dass wir uns von Arizona vorgestellt hatten und das Richtung Grand Canyon am Mittwoch noch nicht ganz erfüllt wurde. Am Straßenrand tauchten zahlreiche Riesenkakteen auf und die Sonne stand am blauen Himmel. Dass es trotzdem nur 15 Grad Außentemperatur hatte, merkte man im Auto aber so gar nicht.

Das einzige, was die schönen Eindrücke störte, war der extreme Gestank der mehrmals durch das Autogebläse herein wehte. Beim Anblick von riesigen Kuhzuchtfarmen (für Rainers „Farmville“-Freunde: Dairy Farmen) war dann sehr schnell klar woher dieser kommt. Auf einer Fläche so groß wie bei uns ein kleines Dorf einnimmt, stand Kuh an Kuh um sich auf die Zeit als Steak oder Burger vor zu bereiten. Vielleicht sollten sich die Amerikaner ein Hinweisschild überlegen, dass vor diesem „Duft“ warnt.

Denn mit Verkehrsschildern ist es hier ein bisschen eigen. In den USA wird fast nicht mit Zeichen wie bei uns gearbeitet (Einbahnstraße, Überholverbot, etc. …) sondern das Meiste einfach ausformuliert. Außerdem wird hier so ziemlich alles rechtzeitig angekündigt, zum Beispiel Ampeln, kreuzende Hirsche oder Kutschen, Stoppschilder in wenigen Metern oder auch kommende Reduzierungen der Geschwindigkeitsbegrenzung. Am besten ist aber die rechtzeitige Anzeige von Radarfallen. Durch den Tempomat wären wir zwar eh nicht in Gefahr aber es schadet auch nicht zu wissen, wann man zur Sicherheit nochmal bremsen sollte.

 Nach fünf Stunden erreichten wir dann Phoenix (für Biancas Twilight Mädls: Bellas Heimat). Auf direktem Weg ging es zum Hard Rock Cafe, das wie die meisten eine exzellente Lage hat. Direkt zwischen Baseball- und Basketballstadion und nicht weit weg vom Stadtzentrum mit den Hochhäusern. Kurz einen Pin gekauft und schnell weiter zum Stadion, denn zweieinhalb Stunden später sollte ja schon Kick-off, also Anstoß sein.

Am Parkplatz, der für die Besucher ohne Dauerkarte vorgesehen ist, stellten wir zum Glück fest, dass man sich auf die amerikanischen Bewegungsmuffel verlassen kann. Direkt am, vom Stadion recht weit entfernten, High School Parkplatz bildeten sich bereits Warteschlangen zum Shuttle Service. Hier übrigens noch eine weitere Eigenheit der Amerikaner. In Warteschlangen wird sich hier ohne jegliche Drängelei ordentlich angestellt und sehr geduldig gewartet bis man an der Reihe ist. So etwas wäre bei uns daheim undenkbar, wenn 200 Leute möglichst schnell ins Stadion kommen möchten. Die größte Überraschung folgte dann aber als die angekündigten Shuttlebusse um die Ecke bogen, denn sonntags werden die Busse der Schule nicht benötigt und so kamen wir zu dem Vergnügen mit echten amerikanischen Schulbussen zu fahren, die man normal nur aus dem Fernseher kennt, besonders gut natürlich von den Simpsons, wobei unser Fahrer zum Glück nicht Otto hieß und einen recht nüchternen Eindruck machte…

Am Stadion wurden wir dann Zeuge, wie die Amerikaner ihren Familiensonntag verbringen. Da werden das Gartenzelt, Fleisch, Liegestühle und alle Familienmitglieder eingepackt und ab zum Grillfest auf dem Stadionparkplatz. Und das bei tausenden von Autos. Am besten fanden wir die Jeeps die einen riesigen Flatscreen mit Spielekonsole auf der Ladefläche angebracht hatten, damit den Kindern vor Stadioneinlass nicht langweilig wird. Auf einem der zahlreichen Parkplätze wurde eine Show mit Livemusik und Spielen geboten. Jede Woche wird die Familie mit dem besten Zelt, also Essen, Stimmung und Fanfahne gekürt und darf dann in den Innenraum des Stadions.

Nachdem uns der Duft von haufenweisem Grillfleisch, Würschtel und Salaten hungrig gemacht hatte, gingen wir schnellstmöglich rüber ins Stadion. Und schon am Eingang hatten sie Rainer für sich gewonnen, zuerst gab es kostenlose Stadionzeitungen und dann verteilten ein paar Mädels fleißig Souvenirs und jetzt sind wir im Besitz von Cardinals Waschlappen, Flaschenöffnern und billigen Fanketten. Wenn man sich mit richtigen Fanartikeln eindecken will, sollte man Geduld für den rappelvollen Fanshop und einen großen Geldbeutel mitbringen. Eine Kappe mit Logo kostet hier mal schnell 35 $. Rainer erwarb dann einen Wimpel für 6 $ und Bianca bekam ihre Hot Dogs.

Die Ordnerin, die wir nach dem Weg fragten, war übrigens ganz begeistert, dass wir eine Runde im Unterrang durchs Stadion drehen wollten und wünschte uns viel Spaß auf unserer Wanderung (!). Wie gesagt, die Amis sind nicht die größten Freunde von weiten Fußwegen, denn das Stadion ist gerade einmal so groß wie die AllianzArena, man umrundet es locker in zehn Minuten. Und auch ansonsten weißt das University of Phoenix Stadium eine große Ähnlichkeit mit der AllianzArena auf, die grauen Decken mit Treppenstufen  und die Essensstände aber alles irgendwie einladender. Die roten Stühle waren vielleicht schon einmal ein Ausblick für die Arena in wenigen Jahren, wenn wir endlich draußen sind.

Die Freude an der aktiven Bewegung merkten wir auch wieder, als wir zu unserem Block in den Oberrang wollten. Hier führen nämlich Rolltreppen nach oben und man muss nur die wenigen Stufen bis zur Sitzreihe erklimmen aber selbst da legte so mancher Ami eine kurze Verschnaufpause auf halbem Weg ein.

Das Spiel des feststehenden NFC West Meister gegen die Tabellenletzten St. Louis Rams sollte dann auch eine deutliche Angelegenheit werden. So nach und nach fand sich auch Bianca in die Footballregeln ein und erinnerte sich an Stefans Nachhilfe bei ihrem ersten Spiel in Düsseldorf.

Zuerst gab es aber natürlich die amerikanische Nationalhymne vor dem Kick-Off, die von den Zuschauern mitgesungen wurde während zeitgleich die Hand oder die Kappe ans Herz gehalten wurde. Noch ein paar Werbeeinblendungen, denn Football ist eine reine Werbeveranstaltung und schon konnte es losgehen. Irgendwann füllte sich dann auch das Stadion, wobei es ein ständiges Kommen und Gehen auf den Sitzplätzen ist. Viele kommen erst zum zweiten Viertel, währenddessen gehen die anderen aber schon wieder das nächste Essen holen. Zur Viertelpause oder zur Halbzeit wird schon zehn Minuten früher gegangen und als die Uhr im letzen Viertel noch 8 Minuten Spielzeit angezeigt hat, war das Stadion fast halb leer, weil das Spiel schon entschieden war und alle möglichst schnell wieder nach Hause wollten.

Der Endstand war dann auch recht deutlich mit 31 zu 10 für die Cardinals und wir konnten uns zufrieden in Richtung Shuttle-Bus Station aufmachen. Nochmal ein paar Minuten mit der ordentlichen Schlange mit gewandert und schon waren wir fast wieder an unserem Auto. Von dort aus ging es dann sechs Stunden weiter ins Hotel nach Los Angeles, dass wir so gegen 23 Uhr erreichten. Kurz nach unserer Wiedereinreise nach Kalifornien mit dem obligatorischen Stopp, bei dem kontrolliert wird ob man Gemüse oder anderes Essen mit einführt, hatten wir dann auch schon 2000 Meilen auf unserem Mietauto gefahren.

Morgen stehen die Universal Studios in L.A. auf dem Programm und Bianca lernt fliegen…

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