27.06.2017 – Route 66, Las Vegas (1)

Man kann die Strecke Page – Las Vegas durchaus in viereinhalb Stunden schaffen. Dazu fährt man einfach über Kanab City und Colorado Springs auf die Interstate 15 und schießt dann ganz gemütlich nach Las Vegas. Wie gesagt, kann man … muss man aber nicht. Und wenn man mit Rainer unterwegs ist, dann geht das natürlich nicht, denn auf dem Weg über die Interstate sieht man ja nicht genug und kann nicht ausreichend Fotos für das Tagebuch machen … und wenn man sowieso 8 Nächte in Vegas gebucht hat, dann macht es nichts, wenn man ein paar Stunden später ankommt.

Also ging es zuerst Richtung Süden und nach knapp vier Stunden Fahrt, also ungefähr dem was man auf der „Normalstrecke“ bis Vegas gebraucht hätte, erreichten wir den ersten Stopp des Tages. Seligman in Arizona und die „Mother Road“, die Route 66. Leo freute sich schon seit Wochen auf diese Straße, „SixtySix“ kann sie schon richtig gut aussprechen. Der Ort Seligman diente in Teilen ja als Vorlage für „Radiator Springs“ im Disney-Zeichentrickfilm „Cars“. Und kaum hatten wir den Ort erreicht, standen sie auch schon da: Hook, der Flower-Power-Bully und den Sheriff sahen wir sofort und hielten auch an um ein paar Fotos zu machen. Da noch einiges an Strecke vor uns lag und dies natürlich auf der alten Route 66, machten wir uns gleich wieder auf den Weg. Die holprige Straße führte uns schnurgerade zum nächsten Ziel. Direkt nach dem Waldbrand auf der linken Seite, zu dem die gesamte Feuerwehr der Umgebung ausrückte, erreichten wir auf der rechten Straßenseite den General Store von Hackberry. Ein uriger kleiner Laden mit allerhand Souvenirs und dem Flair der alten Straße. 

Zwischendurch hatten wir immer wieder alte Motels, Tankstellen und sonstige verlassene Gebäude gesehen, die eher einen traurigen Anblick abgaben. Aber auch heute war die Route 66 eher leer, außer uns standen nur wenige Autos an den Sehenswürdigkeiten der Straße. Anders wurde das Bild in Kingman, das uns allerdings nicht überzeugen konnte. Im Gewerbegebiet wurden wir zwar essensmäßig fündig, schön wurde Kingman aber erst im historischen Viertel, das relativ überschaubar war. Also wieder ab ins Auto und den letzten für heute geplanten Abschnitt der 66 angegangen: Die Strecke von Kingman nach Oatman … und das war wieder so eine Straße an der Bianca ein „ich liebe Dich ja aber momentan hasse ich Dich“ entfuhr, denn es ging ganz kleine Straßen entlang, immer wieder bergauf und bergab, viele Kurven, einige Kehren … nicht unbedingt Biancas Lieblingsstraße.

Die Westernstadt Oatman entschädigte uns allerdings und Biancas Magen beruhigte sich auch langsam wieder zusammen mit ihrer Laune. Schon bei unserer Ankunft standen die berühmten freilaufenden „Burros“, die Esel auf der Straße und jedes Haus war entweder eine Bar oder ein Souvenirladen. Brav wie wir sind, kauften wir ein und kehrten auch ein und zwar im Hotel des Ortes, hier sind die Wände über und über mit signierten Dollarscheinen der Gäste verziert, natürlich haben auch wir einen dortgelassen. Da das Thermometer am frühen Nachmittag auf 119 Fahrenheit stand (das sind gut 48 Grad) wollten wir es den Kindern nicht länger antun, bei dieser Hitze draußen unterwegs zu sein und machten uns endgültig auf dem Weg zum Ziel des Tages: Las Vegas, Nevada. Rainers absolute Traumstadt und auch Leona hüpfte ganz aufgeregt in ihrem Kindersitz herum als am Horizont die Silhouette der Glitzerstadt auftauchte. Welche Fünfjährige kann schon sagen: „Papa, ich freu mich sooooo WIEDER nach Las Vegas zu kommen“.

Der Verkehr wurde mehr und schwieriger zu fahren, doch als wir den Las Vegas Boulevard erreichten, wurde das Grinsen immer größer. Da war es dann auch wieder, das „Welcome to fabulous Las Vegas, Nevada“-Schild. Wir kämpften uns durch den abendlichen Verkehr, gaben unser Auto am Valet-Parking ab, checkten ein, kauften das Upgrade in ein schöneres Zimmer, bestellten ein Zustellbett für Leo und dann war es soweit, wir standen in Zimmer 21.053 im 21. Stock des Hotels und genossen den Blick auf den „Highroller“, das Riesenrad von Las Vegas und die Bergkette im Hintergrund.

Nachdem wir unsere Koffer gebracht bekamen, Benny gefüttert und glücklich war und langsam aber sicher einduselte, gingen wir noch einmal kurz zum Abendessen vor die Türe. Noch immer waren es gut 39 Grad in der Wüstenstadt. Wir entschieden uns für einen kleinen Döner und brachten den schlafenden Benny und die fast schlafende Leo zurück auf unser Zimmer. Kräfte sammeln für morgen … es steht ein kompletter Tag in Las Vegas an.

Und gerade als dieser Text fertig war, kam die beste Nachricht des Tages: Rainer schwitzt ja schon seit Tagen, wann endlich die Tioga Road geöffnet wird, die Straße durch den Yosemite Nationalpark. Wäre die noch zu, wenn wir dort ankommen, würde das einen Umweg von mindestens 300 Kilometern bedeuten … jetzt aber die Nachricht: Die Straße öffnet am 29. Juni … juhu!!!

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