25.06.2017 – Grand Canyon

Recht früh waren wir heute wach, denn da Arizona im Gegensatz zu anderen Bundesstaaten der USA auf eine Sommerzeit verzichtet, sind wir hier gegenüber Deutschland wieder bei -9 Stunden. Direkt nach dem Aufwachen durften wir uns auch gleich über den Turniersieg des TSV 1860 beim Südgipfel in Winterlingen freuen … in diesen Zeiten muss man nehmen, was man bekommt.

Anschließend machten wir uns auf den Weg an den Grand Canyon und zwar nicht wie vor sechs Jahren an den Süd-Rand, diesmal ging es an den North Rim, ebenfalls ein amerikanischer Nationalpark. Vorher aber folgte wieder ein Stück der atemberaubenden Landschaft rund um Page, diesmal entlang des US-Highways 89 South, den wir schon zum Horseshoe Bend gefahren sind. Der liegt aber kurz hinter Page und die richtige Schönheit dieser Straße findet sich erst dahinter. Rote, braune, weiße Felsen und Felstürme, es ist einfach unfassbar schön. Dies führt sich dann auch nach der Abzweigung auf die US-89a fort, die im späteren Verlauf auf den Grand Canyon Highway führt. Die 89a führt erst im Tal an wunderschönen Felsformationen vorbei, ehe man kurz vor Marble Canyon die Navajo Bridge überquert, eine Doppelbrücke der Indianer. Es gibt eine Straßenbrücke und eine Fußgängerbrücke. Mit den dahinterliegenden Felsformationen ein lohnenswertes Fotomotiv.

Nach gut 200 Kilometern waren wir am Visitor Center des Nationalparks angekommen und stellten sogleich fest, dass der Reiseführer nicht gelogen hat. Es besuchen nur 10% derjenigen, die den Grand Canyon bewundern auch den North Rim. Das ist an sich vollkommen unverständlich, denn er ist wesentlich beeindruckender als der South Rim. Man erhält hier wesentlich mehr vom Eindruck der „großen Schlucht“, da man ihr näher kommt. Uns hat es hier besser gefallen als damals. Ein bisschen anders war es aber auch. Beim letzten Mal lag noch überall Schnee, dieses Mal hatten wir den Kontrast von rotem Gestein zu grünen Nadelbäumen. Anders aber nicht minder beeindruckend.  Also machten wir die kurze Wanderung über den Bright Angle Point Trail und schleppten den Kinderwagen anschließend wieder den Berg hinauf. Schon vorher hatte uns der Hunger gequält und wir haben an der Lodge eine kurze Pause eingelegt. Die Preise waren recht saftig, so dass wir uns entschieden im benachbarten „Deli“ Pizzaschnitten und einen Burger zu erwerben. Einen Sinn hatte der Ausflug in die Lodge aber doch, Rainer hat dort etwas erspäht, das er nicht ungekauft lassen konnte. 

Kurz darauf waren die beiden Mädels in der Familie im Besitz von Tickets für die 13.30 Uhr-Reittour mit Mulis. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, machten wir die bereits angesprochene Wanderung, einige Fotos und natürlich kauften wir ein paar Souvenirs, besonders für unsere Junior Rangerin und natürlich ging auch Benny nicht leer aus. Nach einem kleinen Eis war es dann auch schon soweit, die Mädels wurden abgeholt. Benny und Rainer wanderten unterdessen zu einem weiteren Aussichtspunkt. Der Männerausflug endete mit einer Milchflasche und einem Gatorade.

Da haben die Damen schon mehr erlebt:  Leona hatte schon vor ein paar Tagen beim Rodeo gefragt, ob sie endlich mal wieder reiten durfte und Bianca ist ja ohnehin für alles mit Tieren zu haben. Und so saßen die beiden pünktlich mit vier weiteren Gästen im Bus Richtung Muli-Station. Im Auto wurde uns noch eine Ansage mit wichtigen Verhaltensregeln zugeteilt, unter anderem sollte man die Tiere nicht fressen lassen, nur weil sie das gerade wollten.

In der Station angekommen erhielt jeder von uns ein eigenes Muli zugeteilt und ehe wir uns versahen ging es schon los. Leos Muli „Fancy“ wurde von unserer Führerin Bethany am Strick mitgenommen, zum selbst lenken war sie noch etwas zu klein. Dafür war sie aber super stolz, weil sie immer als erste der Gruppe reiten durfte. Gleich hinter der Station wurde es Bianca etwas schwummrig, da der Ritt auf einem Trampelpfad direkt am steilen Abgrund Richtung Canyon entlang ging. Aber gut, es half nichts. Zügel lockern und drauf hoffen, dass das Muli schon weiß wo es hinreiten muss. Und natürlich war alles kein Problem, die Tiere laufen dort ja täglich und nutzen sogar kleine platt getrampelte Umwege wenn der normale Weg anstrengender ist. Wir lernten, dass Mulis als Mutter ein Pferd und als Vater einen Esel haben, nur traben oder galoppieren wenn sie sich erschrecken aber ansonsten zu faul dafür sind und tagelang langsam vor sich hin marschieren können. Sogar drei Tage ohne Wasser zu trinken, was sie besonders als Last und Bergreittiere beliebt machte. Leider haben sie neben den Ohren und Hufen auch die Sturheit von ihren Vätern.

Besonders Biancas Muli hatte einen ausgesprochenen Hunger. Da hilft auch alles am Zügel zerren und in den Bauch kicken nichts (wozu Bianca von den Führerin aufgefordert wurde), wenn das Muli einen ganzen Ast oder Kiefernnadeln essen will, macht es das auch bis es fertig ist. Aber gut, jeder Reiter hatte ähnliche Probleme, nur Leos Strebermuli aß nur wenn es auch das Tier der Führerin machte, worauf sie natürlich auch stolz war. Nach dem Ritt am steilen Abgrund entlang ging es bergab in den Wald und nach 30 Minuten wieder zurück zur Station, insgesamt waren wir also eine Stunde unterwegs. Leo bekam ein großes Lob und Bianca wird morgen vermutlich erstmal einen richtigen Muskelkater haben. Gerade durch die Treppenstufen die mit Holzbalken in den Trampelpfad gelegt waren, wurde die Schaukelei und das Gegenhalten dann doch anstrengend. Trotzdem werden wir beide den Ausritt nie vergessen. Nicht nur das Gefühl, diesen Canyon ganz anders erleben zu dürfen als die „Normal-Touris“ sondern auch die Zeit mit diesen für uns noch neuen Tieren war unvergesslich. Mit zwei glücklich Mädls im Gepäck fuhr Rainer dann auch bald wieder zurück nach Page. 

Leo hörte auf der Fahrt wieder glücklich aber doch erschöpft ihre neuen spannenden Drei Fragezeichen-CDs mit ihrem Discman, manches von früher ist eben doch noch brauchbar. Jetzt entspannen wir noch ein wenig, denn auch morgen, an unserem letzten Tag in Page ist wieder einiges geboten. Für Rainer gehört zur Entspannung übrigens auch ein nächtlicher Sprung in den Pool … ist kein Problem, das Thermometer zeigt noch immer mehr als 33 Grad Celsius an.

Anschließend noch die Bilder des Tages, bitte entschuldigt die geringe Auflösung aber die Hotel-Internetverbindung ist heute eher im Schneckentempo unterwegs.

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