24.06.2017 – Bryce Canyon, Horseshoe Bend

Früh sind wir heute aufgestanden, denn es stand die Fahrt von Utah nach Arizona auf dem Programm. Vorher gab es noch das im Hotelpreis enthaltene Frühstück in der benachbarten Tankstelle, Rührei mit Speck oder Schinken, dazu Pfannkuchen. Das war recht lecker und hat uns für die Autofahrt gestärkt. Auch die Rauchwolken, die Leo und Rainer beim Footballspielen am gestrigen Abend noch fotografiert hatten, waren nicht mehr zu sehen, also rechneten wir mit einer ruhigen Fahrt, gut 3 Stunden sollte sie dauern … aber da ist halt immer so ein Problem mit Rainer und Straßenschildern. Kaum waren wir nämlich von der Interstate 15 auf den Highway 89 in Richtung Page abgebogen (das war nur wenige Minuten nach unserer Abfahrt), tauchte am Straßenrand ein Hinweisschild in Richtung Bryce Canyon auf.

Langjährige Leser unseres Tagebuchs werden sich sicher erinnern: Es war der erste USA-Urlaub, es war der 25. Dezember und wir fuhren durch Eis und Schnee vorbei an haufenweise, aufgrund des Feiertags geschlossenen, Restaurants und hatten Glück dass überhaupt eine Tankstelle offen hatte. Dennoch hatten die damals noch nicht einmal verheirateten Reisenden einen Riesen-Spaß. 

Daher beschlossen wir kurzerhand, die 26 Meilen Umweg zum Canyon zu fahren. Rainer hatte den nicht auf der Liste, da wir ihn ja bereits besichtigt haben … aber wenn wir schon mal da sind … wir fuhren also in Richtung Bryce Canyon und fanden die Rauchwolken den Vortags wieder, diesmal hinter einem Berg, wohin sie der Wind getrieben hat. Der Brandgeruch setzte sich in unserem Auto fest, auch später beim Mittagessen in Kanab hatten wir ihn noch einmal deutlich in der Nase, auch dorthin zog der Qualm des „Wildfire“.

Vorher aber stand der Stopp am Bryce Canyon an. Wo wir damals noch hingeschlittert sind und Glück hatten das der Park nicht ganz gesperrt war, fuhren wir locker hinein, erkämpften uns einen Parkplatz und genossen die Aussicht. Diesmal einen Aussichtspunkt weiter hinten. Dabei stellten wir zwei Sachen fest: 1. Der Blick vom Aussichtspunkt damals war schöner. 2. Wir sind als vierköpfige Familie noch glücklicher, als wir es damals als „g’schlampertes Verhältnis“ waren.

Wir genossen den Ausblick dennoch sehr und wanderten sogar ein bisschen dem Weg am Rand des Canyons entlang. Nach einem kurzen Besuch im Visitor Center, bei dem Leona eine „Junior Ranger“-Ausrüstung bekam und einem Tankstopp fuhren wir wieder zurück auf die ursprüngliche Route. 

Die war heute einfach atemberaubend. Auf dem Weg nach Page, vorbei am Grand Staircase National Monument hätte man überall stehenbleiben und fotografieren können, hinter jeder Ecke fand sich wieder eine andere Schönheit. Und alles in den strahlendsten Farben, da sich der Qualm nun endlich verzogen hatte. Es war einfach traumhaft schön.

Übertroffen wurden diese Eindrücke nur noch von der Ankunft in Page. Über den Glen Canyon Dam mit seinem Staudamm und dem herrlichen Blick in die Tiefe auf den Fluss ging es zum Hotel. Das hatte noch kein sauberes Zimmer also fuhren wir direkt an den Stopp, den wir eigentlich erst für abends eingeplant hatten, den Horseshoe Bend.

Bianca und die Kinder waren schlau, sie entschieden sich dazu, bei laufender Klimaanlage im Auto zu bleiben. Rainer musste den Mann heraushängen lassen, schnappte sich ein Gatorade und ging am Warnschild, das vor extremer Hitze warnte, vorbei den Berg hinauf. Die erste Steigung war dabei noch ganz lustig, obwohl es sandig war, konnte diese gut bewältigt werden. Und danach ging es sowieso nur noch bergab bis zur Flussschleife. Rainer grauste dennoch schon vor dem Anstieg.

Unten angekommen war es eine überragende Aussicht, die sehr ergreifend war, trotzdem aber auch beklemmend, denn ganz unamerikanisch war der Rand der Klippe nicht gesichert und wer die Flussbiegung komplett auf das Foto bringen will, der muss ganz nach vorne an den Rand, wo es hunderte Meter steckerlgerade nach unten geht … wenn Dich da einer schubst, dann war es das.

Rainer schaffte einige gute Aufnahmen und machte sich bei 109 Fahrenheit (ca. 43 Grad) auf den Rückweg. Dort verfluchte er mehrfach die Idee, in der größten Hitze des Tages nach oben zu wandern. Gottlob war auf dem Gipfel eine kleine Überdachung im Schatten und mit dem mitgebrachten Getränk wieder zu Kräften kam. 

Am Ende des Abstiegs erholte er sich dann im Auto auch recht schnell und die Fahrt konnte weitergehen. Ein Aussichtspunkt am Damm, ein kurzer Besuch bei der Firma, wo übermorgen die Fahrt zum Antelope Canyon gebucht ist und schon war es 15 Uhr.

Wir bekamen unser Zimmer und dann ging es umgehend zum Pool, abkühlen. Nun schläft Benny ein wenig und wenn er wieder wach ist, werden wir noch zum Abendessen gehen. Das Ganze während Leo unser Hotelzimmer aufräumt. Es ist ihr nämlich wichtig, dass die FlipFlops geordnet an der Tür stehen und auch sonst kein Chaos herrscht. 

Morgen steht dann wieder ein Loch im Boden auf dem Programm, der Grand Canyon.

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