22.06.2017 – Salt Lake City

Bei den Planungen dieses Urlaubs erzählte Rainer Bianca, dass wir in Salt Lake City eine Führung von Missions-Schwestern erhalten würden. Bianca hatte sich darunter zwei ältere Damen in Nonnen- bzw. Schwesternkleidung vorgestellt. Warum wir so eine Führung machen? Heute waren wir zu Gast in der Hauptstadt der Mormonen. Einen Glaubensgemeinschaft mit circa 10 Millionen Anhängern weltweit. Die Mormonen wurden 1830 von einem Farmer gegründet und flüchteten in das damals karge Salt Lake City, da sie im Norden Amerikas vertrieben wurden. Mormonen glauben zwar an die Bibel, interpretieren diese aber anders, und haben dazu noch ein zweites Buch, mit Anweisungen die der erste Prophet damals direkt von Gott erhalten hatte. Man kann jetzt dazu stehen wie man möchte, ein bisschen befremdlich fanden wir das ganze heute aber schon. 

Im Visitor Center trafen wir unsere zwei Führerinnen. Anders als in Biancas Vorstellung waren es allerdings zwei junge Mädchen. Eine Russin und ein Mädchen aus Stuttgart. Man konnte sich bei der Reservierung nämlich jemand in seiner eigenen Sprache wünschen. Wir erfuhren dabei, dass alle jungen Gläubigen mit 18 Jahren für circa zwei Jahre in eine andere Gemeinde auf der ganzen Welt ziehen um dort zu missionieren, also Nichtgläubige für die Mormonengemeinschaft zu begeistern. Bei uns zu Hause kennen wir das schon vom Stadtplatz, allerdings von anderen Gemeinschaften. Unsere Führerin darf ihre Missionarszeit direkt im Herzen der Mormonen abhalten, andere müssen bzw. dürfen dafür nach Lateinamerika oder Asien. Leona war aber zumindest schon einmal glücklich, dass sie unsere Führerin verstand und erkannte auch viel in den Besuchszentren wieder. Dank ihrem katholischen Kindergarten erklärte sie uns den Kreuzweg und viele Bilder aus dem Leben von Jesus Christus.

Im Gegensatz zum katholischen Glauben ist das Mormonentum aber deutlich strenger. Kein Alkohol, kein Kaffee, Keuschheit bis zur Ehe, Verheiratete zählen mehr als Ledige und schwarze Menschen leiden an einem „Fluch Gottes“. Frauen haben allgemein eher nichts zu melden sondern sollen “ auf das Gesetz des Mannes hören“ und dürfen nach der Familiengründung auch nicht mehr arbeiten. Jeder Gläubige muss darüber hinaus 10 % seines Einkommens an die Kirche abgeben… Äh ja, da sind wir dann doch froh, dass wir in einer verhältnismäßig offenen Religion aufgewachsen sind und Leona mal die gleichen Freiheiten genießen wird wie ihr Bruder.

Wobei Rainer den Satz „Eine tugendhafte Frau ist die Krone Ihres Mannes“ schon fast wieder toll fand. Nachdem wir von unseren zwei Führerinnen die riesige Orgel im Tabernakel-Center (11.000 Orgelpfeifen) und den Tempel von außen gezeigt bekommen hatten, erhielten wir noch eine Ausgabe von „Das Buch Mormon“ als Geschenk. In den Tempel darf man leider nicht, die Zeremonien und Abläufe sind für Nichtgläubige geheim. So verließen wir den Tempelbereich wieder und machten uns auf um am nicht weit entfernten Stadtplatz eine kleine Pause einzulegen, die Temperaturen waren mittlerweile wieder höher geklettert. Da wir unser Auto und das Gepäck schon vor dem Besuch des Tempels im Hotel abgestellt hatten, marschierten wir heute in der Sonne zu Fuß durch die Stadt, ganz untypisch für Amerika, vor allem bei 32 Grad.

Leona nutzte einen Springbrunnen zum abkühlen, der als Wasservorhang vom Dach plätscherte. In der ganzen Stadt verteilt gibt es viele Brunnen und Wasserspielplätze die natürlich alle ausprobiert wurden. Der geplante Stopp bei den nahegelegenen Foodtrucks die immer Donnerstags Halt machen, war leider nicht so ergiebig aber im nahe gelegenen Einkaufszentrum wurden wir alle satt. Dass direkt daneben auch ein Disney-Store war, musste Rainer dann leider akzeptieren. Seine Prinzessin bettelte mit großen Klimperaugen und bekam ihr gewünschtes Kleid. In ein paar Tagen kann sie das dann im Disneyland anziehen und auch für Leos Cousine zu Hause in Penzberg wanderte noch etwas in die Einkaufstasche.

Anschließend spazierten wir wieder zurück Richtung Tempel denn Rainer wollte noch zum Verwaltungsgebäude der Mormonenkirche. Dort hat man vom 26. Stock einen fantastischen Ausblick auf die ganze Stadt. Auch hier durfte man jedoch nicht alleine nach oben, ein Missionar begleitete uns nach oben. Mike, vom Alter her eher zur Vorstellung von Bianca passend, gab sich nicht ganz so durchgeistigt, wie die jungen Führerinnen in der Früh und wies uns auch auf Sehenswürdigkeiten hin, die nichts mit den Mormonen zu tun haben, wie das Utah State Capitol oder die Halle in der die Utah Jazz ihre Heimspiele in der NBA austragen. Das war jetzt dann doch deutlich angenehmer als die auswendig zitierten Sprüche von John Smith und Co..

Da der Tag erst zur Hälfte vorbei war, es aber mittlerweile doch schon recht warm war, überraschte Rainer uns mit einer tollen Idee. Als Alternative zum gesperrten Hotelpool fuhren wir ins nahegelegene Freibad und verbrachten den Nachmittag mit Baden. Genau das richtige für das Sommerurlaubs-Gefühl. Etwas komisch waren nur die zwei Unterbrechungen, in denen alle Gäste die Becken verlassen mussten, weil ein „Pool-Check“ durchgeführt wurde. So ganz haben wir das noch nicht verstanden. Dazwischen aber konnten wir mit Wasserrutsche, Sprungbrett und Wasserfällen die Zeit genießen.

Die Sonne hatte das Wasser sogar so weit aufgewärmt, dass sich Bianca im Becken wohl fühlte. Da hier nur 4 % Luftfeuchtigkeit herrschen, ist die Hitze aber auch tagsüber nicht so schlimm. Und etwas Wind ging auch noch. So erfrischt war sogar noch ein Spaziergang in der etwas kühleren Abendluft drin. Alles in allem ein super schöner Tag in der Austragungsstätte der Olympischen Winterspiele von 2002.

Morgen geht es dann weiter Richtung Page, da die auf einen Rutsch mit gut 600 Kilometern aber deutlich zu viel mit zwei Kindern ist, werden wir einen relativ unspektakulären Zwischenstopp einlegen, ehe wir die Stadt nahe Grand Canyon, Horseshoe Bend und Antelope Canyon erreichen. Und dann grüßte heute auch schon die nahe Zukunft, wir haben schon das erste Straßenschild für den Highway nach Las Vegas gesehen. Aber das dauert noch ein paar Tage …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

next

2009/10, 2011, 2014/15 und 2017