15.07.2017 – San Francisco (1)

Es hätte so ein gemütlicher Tag werden können … doch das Schicksal meinte es anders mit uns (keine Sorge, es ist ein guter Zufall passiert, doch dazu später). Wir wachten in unserem Zimmer im Hard Rock Hotel Lake Tahoe auf und spielten das Koffer-Spiel. Ziel des Spiels: Bringe Dein mitgebrachtes Zeug, sowie die Einkäufe aus 6 Wochen in den wenigen Platz und nutze dafür nur die wenigen Kilos, die Dir die Fluggesellschaft zugesteht. Bianca ist nach der morgendlichen Tortur der festen Überzeugung, dass wir es schaffen ohne Aufpreis für Übergepäck zahlen zu müssen. 

Anschließend machten wir uns auf den Weg nach San Francisco, dies in der Hoffnung am Wochenende ohne großen Stau in die City zu kommen. Das zeigte sich jedoch schon auf der Bergab-Fahrt vom See in Richtung Meer, dass dies nicht der Fall sein wird. Das Navi zeigte überall Stau an und schickte uns vor Sacramento auf die Landstraße, scheinbar hat es auf der Autobahn gescheppert. Also fuhren wir eine landschaftlich wunderschöne Straße entlang des Sacramento River. Es ging über Zugbrücken, Hubbrücken und immer entlang des Flusses, wo die Leute Wasserski fuhren. Wunderschön … aber nicht besonders schnell. Nach einer kurzen Mittagspause an dem Ort, an den Leo am Allerliebsten geht (Mc Donalds mit einem ziemlich coolen „Playland“, wo sie klettern, rutschen und sogar auf einem Klavier herunterrutschen konnte, das dabei Töne macht) erreichten wir mit Verspätung und mit einem Umweg über das eher schmutzige Oakland (passt ja zu den Raiders) die Oakland Bay Bridge. Hier brach dann das totale Chaos aus, alle wollten in die City und da jeder dafür an die Maut-Station zum Zahlen musste, standen wir im Stau. Bis Rainer auffiel, dass wir mit unserem Mietwagen ja den FastTrek nutzen durften, also Blinker gesetzt und flutsch, waren wir auch schon auf der Brücke, die wunderschöne Aussichten auf die San Francisco Bay mit der Golden Gate Bridge aber auch auf Downtown bietet.

Kurz darauf erreichten wir das Hotel, parkten unser Auto, brachten die Koffer auf’s Zimmer und schauten, was wir denn heute noch so machen. Da wir noch jemanden etwas aus Haight/Ashbury, dem Zentrum der Hippie-Bewegung im „Summer of Love“ vor genau 50 Jahren mitbringen wollten, suchte Rainer wie man denn dorthin kommt. Also Google Maps auf, nach der besten ÖPNV-Verbindung gesucht … und nun komme ich zu dem Ereignis, das ich ganz oben angesprochen habe. Zeigt Google Maps direkt neben Haight/Ashbury doch an, dass heute um 18.60 Uhr direkt im Stadion daneben Fußball ist. Rainer hätte in der Vorbereitung verzweifeln können, nirgendwo hat er ein Fußballspiel gefunden, dabei fehlte doch genau das um die (Bianca nannte es so) „Big Five“ voll zu bringen. Football, Baseball, Eishockey und Basketball hatte er schon gesehen, doch gerade Fußball fehlte noch … und jetzt fiel es uns einfach so vor die Füße.

Der Plan war klar, mit dem Auto ging es die gut 5 Kilometer zum Stadion um erstmal Tickets zu kaufen. Rainer wurde schon wieder leicht nervös, sollten die Plätze im Stadion ausreichen? Ist das Spiel der in dieser Saison neu gegründeten San Francisco Deltas gegen Miami FC etwa ausverkauft? Na ja, es stellte sich heraus, dass 10.000 Leute in die Hütte passen und bei Weitem nicht so viele da waren. Trotzdem, schon von außen sah man, dass es ein sehr schönes Stadion ist, in dem die 49ers auch mal Football-Testspiele austragen. Nach dem Kauf der Karten ging es in die Fan-Zone wo es Sonnenbrillen, Handtücher, kleine Bälle und Frisbees geschenkt gab. Rainer kaufte auch gleich ein T-Shirt der Deltas, dabei wusste er gar nicht, dass sie nachher noch sein Herz gewinnen würden.

Wir machten uns erst einmal auf in die Nebenstraßen, denn direkt neben dem Stadion liegt der Golden Gate Park und dort beginnt die Haight Street, von der aus es nur ein kurzer Fußweg zur Kreuzung mit der Ashbury Street ist. Sofort verändert sich das Publikum und sofort ändern sich auch die Gerüche, „frisches Gras“ war überall zu riechen … Wir gingen ins gleiche Geschäft wie bei unserem letzten Besuch in San Francisco und kauften ein, nicht ohne nebenan bei Ben & Jerrys auch noch ein Eis zu kaufen. Während Rainer ein Foto machen ging und dabei auch einen Hasen an der Leine einer Hippie-Dame zu sehen bekam, behauptet Bianca steif und fest, den Ex-Löwen Florian Jungwirth auf der Straße gesehen zu haben. Der spielt im Nachbarort San Jose bei den Earthquakes, so unrealistisch ist dies also gar nicht.

Anschließend ging es zurück zum Stadion und nach einer Bratwurst auch hinein. Und dann ist es passiert, Rainer verliebte sich in die Deltas. Denn neben einem kostenlosen DIN-A4-Infoblatt gab es einen Spieltags-Pin geschenkt. Wir haben natürlich gleich ein paar mehr eingepackt, unsere (wir nennen sie liebevoll) Sammeldeppen zu Hause müssen ja auch bedacht werden. 

Das Spiel selbst ist schnell erklärt, der eher schwache Schiedsrichter stellte nach einer eher harmlosen Foul einen Spieler der Deltas vom Feld, im Tumult an der Seitenlinie flog gleich noch ein Ersatzspieler mit. Anschließend traf Miami zur Führung. In der Pause gingen Leona und Bianca und spielten etwas mit Leo’s geschenktem Ball. Auf dem Weg zur Wiese überquerten die Spieler den Weg und Leo klatschte mit einem Spieler des Teams ab, dem sie die Daumen drückte. Das war übrigens Miami, denn die hatten weiß-blaue Trikots, die Deltas spielten in rot-schwarz. Später stellte sich heraus, dass sie mit Vincenzo Rennella abgeklatscht hatte, dem Torschützen zum 0:1 und auch 0:2, da traf er per Foulelfmeter. Nach dem 0:3 war die Partie entschieden, San Francisco kam nur noch zum Ehrentreffer. Damit dürfte auch die Meisterschaft in der zweiten amerikanischen Liga entschieden sein, denn der Tabellenführer Miami hat nun 10 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten San Francisco.

Anschließend ging es zurück zum Hotel, denn morgen heißt es früh aufstehen, die kleinen Löwen spielen um 7 Uhr kalifornischer Zeit in Vilzing und Rainer muss die Internet-Seite füllen. Stefan übernimmt dankenswerterweise ja den Live-Ticker, den Spielbericht gibt es diesmal aber aus ein „paar Kilometer“ Entfernung.

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