12.07.2017 – Yosemite NP, Mono Lake

Frühmorgen schon ereilte uns der Weckruf, um 6.20 Uhr ging es aus den Federn. Denn die Homepage des Yosemite Nationalparks hatte uns verraten, dass hier am Nachmittag der Verkehr richtig übel wird und im Yosemite Valley durchaus zwei bis drei Stunden Stau zu erwarten sind … das wollten wir uns nicht antun. Zudem war es von unserem gut eine Stunde vom Park gelegenen (und trotzdem sauteuren) Hotel noch ein gutes Stückchen Fahrt und schon in Mariposa, wo die Hotels noch viel sauteurer gewesen wären, zeigten uns die Anzeigetafeln „Parking in Yosemite Valley full“, alle Parkplätze belegt. Na super, das fängt ja gut an. Zu allem Überfluss schaffte es auf der Zufahrt zum Park auch noch ein LKW sich in einer Brücke festzufahren. Erst nach minutenlangem Rangieren konnte er die schmale, einspurige Brücke passieren. Den Grund für diese Behelfsbrücke sahen wir wenig später … ein Erdrutsch hatte die eigentliche Straße komplett verschüttet.

Erfreulicherweise war es dies dann mit den schlechten Nachrichten, denn ab hier lief alles wie am Schnürchen. Wir erreichten den Park und am Eingangsschild war niemand vor uns, wir konnten ganz gemütlich das übliche Pflicht-Foto schießen. An der Park-Einfahrt wurden wir mit unserem Jahresausweis für Amerikas Nationalparks schon aus der Ferne durchgewunken und an unserem ersten geplanten Stopp, den Bridalveil Falls, fuhr das Auto vor uns auf der Parkplatzsuche am einzigen freien Stellplatz vorbei, weil der Fahrer des Nachbarautos die Türe offen hatte. Wir bogen ein, er machte die Türe zu und schon standen wir drin. Glück gehabt. Anschließend wanderten wir die 1000 Fuß bis zum Aussichtspunkt und freuten uns über einen wunderschönen Wasserfall, der praktisch direkt vor unseren Füßen herunterkam. Dass dies nur der zweitschönste Wasserfall des Tages sein würde, konnten wir zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht ahnen.

Wir bogen nach rechts ab und waren nun endgültig mitten im Yosemite Valley, zweispurig ging es auf einer Einbahnstraße durch das Tal, das den Blick auf die beiden Hauptberge „El Captain“ und „Half Dome“ freigab. Wunderschöne Aussichten auf die Berge gab es bei noch wunderschönerem Wetter zu genießen. Wir hielten hier und da an, meistens waren die Parkplätze zwar voll aber einen kleinen Platz für einen sich hineinquetschenden Nissan Quest hatten sie dann doch immer wieder. Und wenn nicht kann man ja immer noch am Straßenrand anhalten und ein kurzes Foto schießen. So verbrachten wir eine gute Stunde mit den schönsten Ansichten ehe wir uns auf den Weg in Richtung der mittlerweile ja gottlob geöffneten Tioga Road machten. Rainer hatte in den letzten Wochen regelmäßig beobachtet ob die Straße mittlerweile schneefrei ist.  Besonders beeindruckt haben uns die Yosemite Falls, die weithin sichtbar über dem Tal hinunter regnen. Dieses Jahr hat der Fluss offensichtlich besonders viel Wasser und daher zeigen sie sich die Fälle noch schöner. Auch „El Capitan“ begeisterte uns mit seiner Felswand. Kaum vorstellbar, dass dies vor einem guten Monat die Schlagzeilen der Zeitungen beherrschte: „Dem US-Amerikaner Alex Honnold ist die „Mondlandung des Freikletterns“ gelungen: Er bestieg allein und ohne Sicherung die 1.000 Meter hohe Steilwand El Capitan.“ Wahnsinn, wenn man diese unfassbar steile Wand sieht, erst dann bekommt man einen Eindruck, wie lebensmüde der Typ wirklich war.

Auf dem Rückweg bekamen wir dann auch einen kleinen Eindruck vom Stau des Valleys als wir in der Baustelle warten mussten. Dass es hier am Nachmittag staut, wenn alle Touristen gemeinsam hinaus wollen und sich der Verkehr von zwei Spuren auf eine verengt, ist kein Wunder. Wir kennen dies ja als typisches Garmisch-Phänomen.

Wir warteten nur wenige Minuten und bogen dann auf die Tioga Road ab, die uns auf ihrer Strecke bis auf knapp 10.000 Fuß (knapp 3.000 Meter) Meereshöhe brachte. Auch hier gab es wunderschöne Aussichten, wie den Blick ins Tal am Olmsted Point. Leo war besonders von der Passhöhe am Tioga Pass begeistert, hier lag nämlich noch ein großer Haufen Schnee und so eine Schneeballschlacht Anfang Juli hat ja schließlich auch was. Vorher aber passierte etwas wunderschönes, unsere 5-jährige Tochter hat Lesen gelernt, leichte Wörter kann sie nun schon selbst zusammensetzen und selbst lesen … Also Buchstabenketten mit „D-DO-DOR-DORA“, bei dem sie jeweils die noch fehlenden Buchstaben mit dem Finger zudeckt, sind ab sofort kein Problem mehr. Wofür Autofahrten im Urlaub nicht alles gut sind. Herzlichen Glückwunsch, kleine Bald-Vorschul-Maus, Mama und Papa sind stolz auf Dich!

Anschließend ging es zu Biancas Freude den Berg hinunter, knapp 4.000 Fuß (1.200 Höhenmeter) innerhalb von kurvigen 10 Minuten. Zur Belohnung gab es bei Lee Vining einen leckeren Burger und für Leo eine neue Kinderzahnpasta. Da noch mehr Zeit war als gedacht, fuhren wir noch nicht zum Hotel, sondern streuten schon heute den Mono Lake ein. Wikipedia verrät folgendes über ihn: Der Mono Lake ist ein Natronsee; er ist also sowohl besonders alkalisch als auch besonders salzhaltig. Hätten wir das auch geklärt … das aber war nicht der Grund, warum wir an den See fuhren, sondern die „Tufas“, die Kalktuff-Gebilde am Ufer. Auf gut deutsch: Seltsam gebildete Säulen und Häufen, die lustig am Ufer herumstehen. Eine kleine Wanderung vom Parkplatz aus und schon konnte man die in voller Schönheit bewundern. Anschließend ging es zum Hotel, das auch heute wieder eine Hütte ist. Sie steht mitten am Highway in einer Wiese, rundherum noch einige andere. Das Auto parkt direkt vor der Türe, sehr idyllisch ist es.

Während die Kinder in die Badewanne hüpften, holte Rainer im nahegelegenen Bridgeport noch etwas zu essen und dann bereiteten wir uns schon auf den morgigen Tag vor, es wartet eine Geisterstadt und ein wundervoller See, den wir schon zum zweiten Mal besuchen, beim letzten Mal standen wir dort im Schnee. Morgen wir es knapp 30 Grad haben.

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