12.06.2017 – Jasper

Ehrlich gesagt haben wir uns von heutigen Tag nicht allzuviel erwartet. Der Tag war eher als „Überführungsetappe“ geplant. Gut 4 Stunden Fahrt von Barriere in British Columbia nach Jasper in Alberta. Aber oft kommt es anders als man denkt … denn schon wenige Meter nach dem Hotel begann sich eine grandiose Landschaft zu zeigen. Hinter jeder Kurve, hinter jeder Kuppe tat sich eine neue Szenerie auf, von der eine schöner war als die andere.

Berge, Täler, Seen und Flüsse. Dazu eine nahezu menschenleere Straße und strahlender Sonnenschein der uns in der Spitze bis zu 25 Grad brachte an einem Fleck, an dem wir Regen und kalte Temperaturen erwartet hatten … na gut, die erwischen uns dann voraussichtlich morgen auf dem Icefields Parkway.

Nachdem wir den Nationalpark erreicht hatten, war es gerade einmal 12 Uhr Ortszeit also gönnten wir uns auch gleich noch den Weg hoch zum Maligne Lake, der am Medicine Lake vorbeiführt. Also runter von der Hauptstraße, abgebogen in die Seitenstraße und schon standen wir wieder mitten in der Natur und plötzlich im Stau. Es war ein typischer „Bear Jam“, der nur wenige Meter hinter der Maligne Canyon Lodge stand ein junger Schwarzbär am Straßenrand. Kein Wunder, dass sich die Autos stauten. Wir hatten ja insgeheim darauf gehofft, dass wir Meister Petz in freier Wildbahn sehen können, der Anblick des echten Tiers verbreitete dann aber doch sehr viel Freude im Auto.

Ebenfalls begeistert haben uns die beiden Seen und ihre Aussichten, sowie eine kleine Bergziegen-Herde, die neben unserem Auto herlief. Den Stop am See nutzten wir für ein paar Fotos und für ganz viel austoben. Leo, die ja auch im Kindergarten gerne im Garten und Wald spielt freute sich über viele Klettermöglichkeiten, sammelte Kiefernzapfen und balancierte über umgefallene Baumstämme. Die Natur hier ähnelt sehr dem Voralpenland, also fühlten wir uns wie zu Hause. Auch der noch nicht getaute Schnee konnte natürlich nicht einfach liegen bleiben sondern musste auf den Papa geworfen werden. Wir sind immer wieder happy, dass Leo bei allen Geschenken und „großen Erlebnissen“ sich dann doch immer wieder an so einfachen Dingen wie einem Stück Wald erfreuen kann und dort am liebsten stundenlang spielen würde. Doch es folgte noch ein Highlight auf der Rückfahrt, da stand wieder einer: Ein Bär. Von einem Ranger bewacht, futterte er in aller Ruhe am Straßenrand und ließ sich von uns und den zahlreichen anderen Autos in der Schlange ablichten.

Dann war es Zeit, die Maligne Lodge in Jasper zu beziehen und ein kurzes Mittagessen einzuwerfen. Und da es nach wie vor sehr schönes Wetter war, nutzten wir auch den dort angebotenen Indoor-Pool und sprangen hinein. Leo musste ja beweisen, dass sie nicht umsonst ihre Seepferdchen-Prüfung bestanden hatte und schwamm fleißig durch das tiefe Wasser.

Gleichzeitig trafen wir Rainers kanadische Verwandtschaft. Christina McBride und ihr Mann Ken waren extra aus Edmonton gekommen um sich mit uns zu treffen und wir freuten uns sehr darüber. Rainers Eltern haben über drei Ecken Verwurzelungen in den Ahorn-Staat und trafen in den 70 Jahren auf ihrer Hochzeitsreise die Urgroßeltern von Rainer dort. Und heute trafen wir die nächste Generation. Echt schön und ein tolles Erlebnis. Da durfte natürlich ein gemeinsames Abendessen nicht fehlen, bei dem viel in Englisch aber auch einiges in Deutsch geratscht wurde. Christina ist nämlich in Wien geboren und erst als Schulkind nach Kanada gezogen und besonders Leo freute sich, dass sie verstanden wurde. Die beiden werden wir auch morgen auf dem Icefields Parkway und in Banff treffen, danach geht es für die zwei wieder nach Hause und für uns weiter in Richtung USA.  Jetzt aber gönnen wir uns am nördlichsten Punkt unserer Reise erst einmal eine schöne Mütze voll Schlaf.

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