10.07.2017 – Highway Nr. 1

Als wir heute früh das Fenster öffneten, war die große gelbe Rauchwolke des gestrigen Tages nicht mehr so groß und drohend, sie hatte sich verteilt und es sah eher so aus als hätte es Hochnebel. Dafür lagen kleine Ascheteile überall auf unserem Nissan Quest. Die kalifornische Feuerwehr „CalFire“ hat über Nacht weiter gegen das Feuer gekämpft, haufenweise Einsatzkräfte, sowie 10 Löschflugzeuge und 5 Löschhubschrauber waren im Einsatz, aus der Luft wurde im 3-Minuten-Takt gelöscht. Wahnsinn, welche Manpower nötig ist und schlimm, wie die Naturkatastrophen den Bundesstaat heimsuchen. Im Winter die starken Regenfälle und Erdrutsche und nun wieder Dürre und Feuer.

Apropos Feuer: Sogar RTL in Deutschland hat darüber berichtet, dass „ganz Kalifornien“ brennt. Wir können aus nächster Nähe berichten, dass dies vollkommener Quatsch ist. Natürlich gibt es hier einige große Waldbrände und sicherlich sind die auch schrecklich und für die Betroffenen existenzbedrohend. Aber Kalifornien ist riesig und an 99% des Staates brennt es nicht. Bislang ist auch nirgendwo ein Feuer gemeldet, wo wir uns demnächst noch aufhalten werden, hoffentlich bleibt das so.

Apropos Erdrutsche: Heute wollten wir eigentlich den berühmten und wunderschönen Highway Number 1 vom Morro Bay bis Monterey fahren … tja, da machen uns die Erdrutsche einen Strich durch die Rechnung, da der Highway an einigen Punkten bis ins Jahr 2018 hinein nicht befahrbar ist. Aktuell kamen wir nur bis Ragged Point, dann war Schluss. Aber gut, das wussten wir vorher und haben uns entsprechend darauf eingestellt. Früh ging es in Solvang los, schon um kurz nach 8 Uhr waren wir auf der Straße. Die Kids hatten heute sogar passende Geschwister-USA-T-Shirts an, worauf Leo besonders stolz war. Der Weg führte uns über Highway 101 bis zur Abzweigung auf Highway 1 kurz hinter Pismo Beach. Nach wenigen Kilometern in Richtung San Simeon begann die Küste ihre komplette Schönheit zu entfalten. Schroffe Felsen, versteckte Strände und nette Tiere fanden wir hier auf den nächsten Metern. Ach ja, und Teil 2 des heutigen Temperaturen-Bingos. Gestartet sind wir bei schon gut über 80 Fahrenheit (27 Grad Celsius) in Solvang, hier an der Pazifik-Küste schaffte es das Thermometer gerade einmal über die 60 Grad (15 Grad Celsius – Winterpulliwetter) hinaus. Das konnte uns aber nicht davon abhalten, die Vista Points anzufahren und zusammen mit kleinen, frechen, hungrigen Nagern die Aussichten zu genießen, die wir aber natürlich nicht fütterten. Vom Baden haben uns die Temperaturen (insbesondere die des Wassers) allerdings ganz deutlich abgehalten.

Bei San Simeon erreichten wir die interessantesten Punkte des Tages. Zuerst „Hearst Castle“. Hier war Rainer schon seit Monaten hin- und hergerissen. Sollten wir es besuchen, oder nicht? Eigentlich ist das Schloss ja ganz nett aber andersrum auch wieder nicht so beeindruckend auf den Bildern, trotzdem ist es als Top-Sehenswürdigkeit überall angeschrieben. Rainer einigte sich in der Vorbereitung schließlich darauf, dass es eher eine Sehenswürdigkeit für die Touristen 65 & älter ist und plante es nicht ein. Als wir vorbeifuhren, kamen aber doch wieder die Zweifel. Rainer bog ab und erst als wir bemerkten, dass a) eine der Hauptsehenswürdigkeiten, der Pool, kein Wasser hat und b) eine Tour mit Busfahrt auf den Hügel hinauf gebucht werden müsste, kehrten wir Hearst Castle den Rücken und warten, bis in Bayern zu Ehren des Ministerpräsidenten „Horst Castle“ gebaut wird, vielleicht besichtigen wir das dann.

Weiter ging es zum Elephant Seal Viewing Point. Dort war noch recht wenig los, einige Autos standen dort. Daher hatten wir auch gleich einen Platz in Reihe eins am Zaun, schauten darüber und sahen ungefähr hundert See-Elefanten. Na ja, direkt süß sind sie jetzt nicht, sogar auf die 50 Meter Entfernung haben sie einen strengen Geruch aber dennoch hat es uns gefallen, sie zu besuchen und zu fotografieren. Die „Freunde der Elephant Seals“ haben dort sogar Flugblättern mit allerhand Informationen über die Tiere ausgelegt.

Der beste Halt des Tages sollte aber noch folgen. Am San Simeon Pier, der eher versteckt außerhalb der Stadt liegt, gab es einen kleinen Imbiss namens „Sebastians Cafe“. Dort werden Burger und Sandwiches verkauft und wir hatten ein unfassbar leckeres Mittagessen. Rainer kann ganz besonders das Sandwich mit Rindfleisch, BBQ-Soße und knusprigen Zwiebeln empfehlen, das war echt unfassbar lecker und mit 11 Dollar auch recht günstig. Ein lustiges Schild haben sie auch aufgehängt. Unbeaufsichtigte Kinder werden vom Restaurant mit einem Espresso und einer Babykatze beschenkt. Genau unser Humor. Leo rettete noch andere Gäste vor einem kleinen Unfall, da sie gesehen hatte, dass das Pärchen mit den zwei kleinen Hunden (Bianca fand sie süß, Rainer jetzt nicht so) ihren Cola-Becher auf dem Autodach vergessen hatten aber so ging alles noch mal gut. 

Pappsatt und zufrieden machten wir uns wenige Meilen Richtung Süden (daher auch die Fotos der Highway-Schilder mit „South“) auf den Rückweg, über einen Verbindungshighway ging es danach in östlicher Richtung von der 1 zurück auf die 101. Auf diesem Highway reihte sich ein Weinanbaugebiet an das nächste, an jeder Ecke hätten wir die Chance auf eine Weinprobe gehabt und jedes Anwesen war schöner als das vorhergehende. Und die Temperatur stieg wieder … als wir (ohne Weinprobe) die 101 erreichten, waren wir bei 101 Grad (und 101 Kilometer von unserem Tagesziel entfernt und 1 Stunde und 01 Minuten) in Richtung Norden unterwegs. Tagesziel war ein erschwingliches Hotel in Salinas. Da alle Hotels in Monterey, Carmel und Umgebung unfassbare Gelder für eine Übernachtung haben wollen, haben wir uns für Salinas entschieden und es nicht bereut. Hier hat es zwar nur noch gut 60 Grad und Wind aber das wäre in Monterey auch nicht anders. Das Hotel ist sauber und wir haben ein Walmart Supercenter gefunden in dem wir uns für die letzte Woche noch einmal eingedeckt haben.

Morgen geht es dann zuerst ins Aquarium, dann nochmal an den Highway Nr. 1 und anschließend bis vor die Tore des Yosemite Nationalparks.

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