07.07.2017 – Los Angeles (1)

Wir müssen ja ganz ehrlich zugeben, dass der gestrige Tag uns schon ganz schön geflasht hat. Mit den vielen Eindrücken und dem späten einschlafen waren wir heute früh alle doch noch etwas müde. Daher geriet gestern auch der Tagebucheintrag eines unfassbar tolles Tages etwas kurz.

Da passte es perfekt, dass sich Rainer und Bianca schon im Vorfeld auf ein abgespecktes Besichtigungsprogramm geeinigt hatten. Nachdem wir im Denny´s nebenan kostenlos gefrühstückt hatten schwangen wir uns also in unsere Kutsche Richtung Los Angeles. Da es ja jetzt schon unser dritter Besuch hier ist, überraschen uns manche Dinge nicht mehr ganz so.

1. Die Stadt hat ein unfassbares Verkehrsproblem, ohne Blechlawinen kommt man nirgends hin. 2. Die Wege sind in dieser Stadt unfassbar weit, man muss sehr viel Zeit für die Fahrten einplanen. 3. Los Angeles ist für unseren Geschmack sehr dreckig, mit dem glitzernden Hollywood hat 99 % der Stadt nichts zu tun. 4. So ganz warm werden wir mit der Stadt der Engel irgendwie nicht.

Aber gut, trotzdem ging es erstmal zum bekanntesten Wahrzeichen. Dem Hollywood-Schriftzeichen auf dem Berg. Bislang hatten wir es nur von gaaaaanz weit entfernt gesehen. Direkt hin kommt man zwar nicht aber es gibt eine Straße in den Hollywood Hills von der aus man zumindest einen guten Ausblick auf die riesigen weißen Buchstaben hat. Da kann man die Fotos auch praktischerweise direkt neben dem Auto machen. Die Häuser auf den Hügeln um den berühmten Schriftzug sind schon schicker, ein bisschen wie in Grünwald. Da heute aber anscheinend der Müll abgeholt wurde, sorgten die bereit gestellten Mülltonnen sogar im schicken Wohnviertel für das übliche Los Angeles-Bild. Nur die Obdachlosen fehlen hier.

Das krasse Gegenteil war dann unser nächster Stop. Der berühmte Rodeo Drive auf dem schon Pretty Woman Julia Roberts von Richard Gere eingekleidet wurde. Hier sind die nobelsten Geschäfte angesiedelt, wie Gucci, Prada, Burburry oder Tiffany´s. Für unseren kurzen Stop entdeckte Rainer auch das perfekte Parkhaus mit Eingang direkt in der Nobelstraße. Und das beste daran war, dass der Valet-Parkservice unser Auto parkte und in den ersten beiden Stunden kostenlos war. Normalerweise vielleicht eher für potenzielle Käufer gedacht aber unser Nissan-Panzer fiel jetzt gar nicht soooo zwischen den ganzen Mercedes und BMWs auf. Die Straße selbst ist ganz lustig zum spazieren gehen aber unser Geld ließen wir dann nur bei einem Händler. Dem Eiswagen, der sich in der Parklücke vor dem noblen Gucci-Geschäft breit gemacht hat und dort einen riesigen Umsatz mit Eis und kalten Getränken an die ganzen Touris macht. Bianca hat ihn eh ins Herz geschlossen, weil er fand, dass Leo und Bianca sich sooo ähnlich sehen. Das war dann ungefähr der dritte Mensch in den letzten fünfeinhalb Jahren der nicht behauptet hat, dass sie nur nach dem Papa kommt. Da wäre fast eine Umarmung fällig gewesen aber das Verkaufsfenster war leider etwas zu klein. Unser Kreditkarten-Rahmen war jedoch zu klein für Einkäufe in dieser Straße also zurück zum Auto, großzügig Trinkgeld gegeben und weiter ging die Fahrt zum dritten Stop.

In der Nähe von unserem Hotel liegt in Huntington Beach das Old World Village. 1976 haben hier zwei Auswanderer ein ganzes Dorf nach dem Vorbild von Oberammergau bauen lassen in dem sich jetzt einige Geschäfte angesiedelt hatten. Für uns nochmal ein kleiner Ausflug zurück in die Heimat, aber mit etwas mehr Stil wie der Aldi-Einkauf vor zwei Tagen. Gaaanz zufälligerweise hatten wir Hunger und es gab ein deutsches Restaurant mit „Traditional Schnitzel“. Die Bedienung hatte mal kurz in Deutschland nach der High School gelebt und servierte uns im Preißn-Dirndl das leckerste bayerische Essen, dass wir seit langem gegessen haben. Leckere Bratkartoffeln mit frischem Kalbsschnitzel. Gut Rainer hatte noch Kartoffelpüree mit Knoblauch aber Leo war dafür mit ihren extra für sie zubereiteten Mini-Kinderschnitzeln super glücklich. Die Vorspeise war leckeres deutsches Brot mit Butter, eine Nachspeise hätte einfach keinen Platz mehr gehabt. Und kostenlos gab es noch ein paar Ohrwürmer dazu.

Die Kastelruther Spatzen, Roy Black, Heidi und diverse andere Klassiker der deutschen Musikgeschichte gab es auf die Ohren. Leo war jedoch happy weil sie endlich mal die Wörter bei den Liedern verstand. Zum Abschluss kauften wir der kleinen Maus im benachbarten Supermarkt noch Haribo-Gummibärchen und waren ganz fasziniert von der Auswahl an deutschen Lebensmitteln. Logistisch lohnt sich der Kauf für uns zwar nicht aber von Streichwurst, Leberkas über Weißwürst, deutschen Biersorten und Käse-Sahnetorte hätten wir hier alles bekommen. Aber gut, in weniger als zwei Wochen bekommen wir ja bestimmt einen Schweinebraten als Willkommensessen in Deutschland :o).

Im Anschluss ging es direkt zurück zum Hotel, wo Leo und Bianca heute einen Prinzessinnen-Abend veranstalten, während Prinz Benjamin schlafen darf. Rainer kämpfte sich nochmal zurück durch den Monster-Verkehr in LA um sich die spannendste Sportart aller Zeiten an zu sehen … hüstel.

Nach einer Stunde Fahrt für eine Strecke von gut 20 Minuten erreichte Rainer das Dodgers Stadium, eine großartige Sportanlage in den Hügeln der Großstadt, unweit von Downtown. Schon bei der Durchfahrt durch das Parkplatz-Tor wurde ihm eine Stadionzeitung überreicht, weitere Geschenke gab es ganz unamerikanisch jedoch nicht. Na gut, außer einer Urkunde für das erste Dodgers-Spiel … Rainer erklomm den obersten Oberrang und freute sich über die tolle Aussicht direkt auf die Homeplate. Das Spiel selbst … ja gut, Baseball ist halt ein bisschen langweilig, immerhin sah Rainer einen Sieg des Heimteams und einen Homerun. Viel lustiger war es, die Leute zu beobachten und das „außenrum“ zu genießen. Und wenn dann unten auf dem Feld mal was passierte, war auch sofort Stimmung in der Bude. Nach der Partie und dem 4:1 der LA Dodgers gegen die eigentlich favorisierten Royals aus Kansas City (das hat Rainer zumindest von seinem Sitznachbarn erfahren) durften die Fans auf das Spielfeld und taten dies auch mit Picknickdecken bewaffnet. Denn sowohl von dort aus als auch von den Rängen gab es „Friday Night Fireworks“ zu bewundern, eine tolle Feuerwerk-Show zu StarWars-Musik, denn im Ballpark war heute auch StarWars-Day mit allerhand Figuren, Musik und Einspielern. Ganz nett, nur kann Rainer damit wenig anfangen. Großartig war jedoch das Feuerwerk. Anschließend ging es erfreulich schnell durch das Parkplatzchaos hindurch auf den Highway und staufrei und schnell ab ins Hotel und ins Bett, immerhin ist es jetzt schon Mitternacht.

Morgen geht es dann nochmal ein bisschen an den Strand und zu einem weiteren sportlichen Großereignis (lasst Euch überraschen) bevor wir mit Los Angeles durch sind und unsere Zelte hier schon wieder abbrechen.

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